Der Apfel

ist mein Frühstück geworden. Nachdem ich Rezepte über Rezepte entwickelt habe mit fancy Frühstücksvarianten  und abwechslungsreichen Nachspeisen ist mir schon klar, dass es uns einfach zu gut geht. Im Bioladen häufen sich Produkte aus Süd-und Mittelamerika und nennen sich Superfood. Von Moringa über Macca und Acai zu Goji wird es zu astronomischen Preisen verkauft und hat obendrauf noch eine mega schlechte Ökobilanz. Ja, ja auch die Avocado hat sehr schlecht abgeschnitten, aber ich will ja nicht alles schlecht machen, nur weil wir ab und an mal solchen Luxus food essen wollen.

Artikel Super food aus der Zeit

Der Apfel, die Rote Beete und auch heimisches Getreide haben viele Vitamine und Mineralstoffe, die uns gesund erhalten und sind außerdem regional. Wer noch die Kirsche auf der Sahne möchte, kann auch noch Jahreszeitengerecht essen. Wichtig dabei ist nur, dass es uns auch schmeckt, sonst bedankt sich der Körper mit Ablehnung und Krankheit.

Zu meiner Zeit als Gesundheitsberaterin in Deutschland, gefühlte 300 Jahre her, hatte ich einen Vortrag in einer Schule gehalten, damals über vollwertiges Essen und kindgerechter Ernährung. Am Schluss kam eine junge Frau zu mir, ihre Gesichtsfarbe schwankte zwischen grau und grün, verziert mit Augenringen und mit einer sehr blassen Stimme fragte sie mich, was denn nun das gesündeste Frühstück sei. Sie macht ihren Frischkornbrei jeden morgen mit Obst und Nüssen, trinkt grünen Tee,  ist aber trotzdem ständig müde und krank. Auf meine Frage, was sie denn essen möchte, antwortete sie strahlend: Toast mit Marmelade und einen Kaffee dazu.

Ja dann mach´das doch. Nichts schadet dem Körper mehr als Nahrung, die wir nicht mögen, sie nur in uns reinstopfen, weil es gesund ist.

Wir leben in einer Welt, in der es unendlich viele Lebensmittel von überall her gibt und auch noch zu jeder Jahreszeit. Es überfordert mich ständig die super food Regale und supplements im Bioladen zu sehen. Hier in Kanada ist es besonders schlimm, da jede Woche ein anderer Probierstand am Eingang steht und der „food Berater“ Dir mal wieder erzählen will, wie wichtig es ist,  gerade jetzt dieses super food Erzeugnis zu essen.

Wir sind überversorgt und verwöhnt!

Am Besten sind im Frühjahr die sogenannten Entgiftungskuren. Als gesunder Mensch kann ich da nur sagen, ich habe da meine Leber, die erledigt den Job kostenlos und ich pass gut auf sie auf, damit das auch so bleibt.

Zurück zum Frühstück:

Mein Mann isst seit ich ihn kenne seinen Haferbrei, keine Ahnung wieviel Zentner er schon verdrückt hat in seinem Leben. Er motzt den Brei morgens etwas auf mit Nüssen und Äpfeln oder auch mal mit meinem selbstgemachten Apfelmuss, den ich als kleine Würfel einfriere. Das Schöne daran ist, dass der Brei dann die richtige Esstemperatur hat. Ich esse was mir gerade in den Sinn kommt. Meistens einen Apfel oder auch mal eine Luxus Frucht Mango und später eine Scheibe von meinem Roggen-Dinkelbrot mit Erdbeermarmelade, selbstgekocht von meiner Schwester oder Honig, selbstgeschleudert von meinem Freund Michael, der seine Bienenvölker nach bio Standard pflegt. Es kann auch mal sein, dass ich einen Haferbrei esse, eher selten, aber es kann schon mal sein.

Ach wie haben wir es gut, Hunger leiden wir auf keinen Fall, wäre vielleicht mal ganz gut, um einfaches Essen besser schätzen zu lernen. Wer aber dennoch mal regional Quinoa essen möchte: es gibt ihn auch aus Deutschland. Die Bohlsener Mühle  bekommt bio Quinoa von 2 Biohöfen geliefert. An Jenny: Bei der Bohlsener Mühle habe ich vor Jahrzehnten in der Bäckerei ausgeholfen, Weihnachtsgeschäft und alle möglichen Mitarbeiter waren krank oder nicht erreichbar. Warum wohl? Jaha,  der Bäckermeister Helmut, auch Leiter der Bäckerei wusste genau wie man Mitarbeiter motiviert und schätzt. Der hätte wirkliche einen Aufkleber verdient: people don´t leave bad jobs, they leave bad bosses! Like Helmut!

…….. but I didn´t care, was only for 3 weeks.

In diesem Sinne mein Kaffee wartet und die Stulle ist schon geschmiert.

 

 

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8 Gedanken zu “Der Apfel

  1. Liebe Bine, ich esse mehr oder weniger jeden Tag Vollkorntoast mit etwas Quark und selbstgemachter Marmelade, dazu möglichst einen kleinen Eimer Kaffee und das schon seit meiner Kindheit. Gesund essen ist toll, aber es darf ruhig Herz und Seele erfreuen! Dir einen lieben Gruß über den Teich!

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  2. Sabine, da hast du so viel recht- erstens mit diesem überbewerteten super Food, dann mit der Hungernot, die wir es wirklich alle mal wieder nötig hätten. Ich esse mal ab und zu die modernen superfoods- klar! Aber Apfel , rote Bete und Möhren aus Mamas Schrebergarten, Tomaten und Beeren aus unserem minigarten und Kräuter. Und wenn ich es nur höre: selber was anbauen , einkochen lohnt nicht, dann möchte ich am liebsten schreien …selber Müsli basteln mit wenig Zucker- wozu? Gibts billig bei Aldi …dann würde ich am liebsten Amok laufen …nur billig zählt für die Mehrheit von uns. Sehr traurig .

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  3. Eigentlich ist diesem Artikel nichts hinzuzufügen, außer, dass ich dich jetzt wirklich, wirklich gerne ganz fest an mich drücken und mich bei dir bedanken möchte, weil ich es für so wahr halte, was du sagst. Ich halte den Aspekt des in sich hinein spürens, für den wesentlichen Bestandteil eines gesunden und glücklichen Lebens. Wir sind alle Menschen, aber wir haben unterschiedliche Konstitutionen, Bedürfnisse und Lebensumstände.
    Vor ein paar Wochen hatte ich mit einer Kundin einen ähnlichen Vorfall, wie du mit der Frischkorn-Dame. Sie wollte Grünzeug für ihren Smoothie haben und hat mir dabei erzählt, dass sie sich die Smoothies jeden morgen „herunter würgt“ und das es ihr eigentlich überhaupt nicht schmecke.
    Ich hab sie natürlich gefragt, warum sie, die Smoothies denn dann überhaupt tränke? – Weil`s gesund ist. – Ich finde das unfassbar, blöd und leider bestätigt das ja nur, was du so anschaulich beschreibst. Wir vertrauen mehr auf (Gesundheits)Gurus und irgendwelche Werbeversprechen als auf uns selbst. Ich mache das leider auch manchmal. Schön blöd und definitiv nen Aufkleber wert: Sei kein Helmut! Sei Du.
    …Gegen den ganzen Mist der in unseren Böden steckt und durch die Luft fliegt hilft, um die „Superfoods“ ja überhaupt erst hierher zu karren, hilft eh keine Gojibeere mehr.
    Nachdenkliche Grüße,
    Jenny

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      • Liebe Sabine, Ich fühle mich gerade nicht sonderlich aufmerksam aber es ist lieb das du das sagst. 🙂
        Ich suche momentan nach einer neuen Wohnung, damit dieser Pendelzustand hier endlich aufhört und wieder durch ein aktives Leben ersetzt wird. Aber ja, ich nehm’s leicht, atme und kneife den Popo zusammen. Alles andere bringt ja nix.
        Danke dir für das Rote Mousse Rezept. Wenn es von Oma kommt, kann es eigentlich nur lecker sein, jedenfalls, wenn es von deiner kommt. Meine Oma war eher der Mett und Butterstullen Typ. Ohne sie wüsste ich ja bis heute nicht wie man „Nutella“ richtig, nur mit einem Löffel ausgestattet, isst. Trotzdem, die Rezepte von Oma sind unantastbar. Das wissen auch die Fernsehköche, deren Rezepte ja plötzlich allesamt aus Kindheitstagen und von der eigenen Oma abstammen. Quoten, powered by emotion.
        Da halte ich mich lieber an deine reale Omi und versuch mich mal an der Mousse. Frucht finde ich im Moment eh attraktiver als Schokolade. Obwohl die Schokomousse schon auch lecker aussieht. Hm. Ein Leben voller, schwerer Entscheidungen und da versuch mal nicht durchzudrehen.
        Liebe Grüße, Jenny

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      • Liebste Jenny, den Zustand kennen wahrscheinlich viele. Ich versuche dann mich von aussen zu betrachten. Das heisst ich sehe mich mit den Augen eines Fremden, der mir erzaehlt wie er die Situation sieht. Klappt meistens. Mit anderen Worten manchmal sieht man den Wald vor lauter Baeumen nicht. Jedes Problem wird kleiner und loesbarer, wenn wir das Ganze globaler sehen. Eine Wohnung zu visualisieren und das mit einem Gluecksgefuehl zu verbinden klappt auch sehr gut. Wunsch erfuellt!! Viel Erfolg bei der Wohungssuche. Du findest was passendes, hast ja eine gute Intuition. Ach ja wir leben auch gerade aus Umzugskisten. C’est la vie mon amie…..

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